Herrschaft Rothenhaus (Červený Hrádek)

Das Schloß Rothenhaus befindet sich unweit der Stadt Görkau im Bezirk Komotau. Das Schloß entstand im 14. Jahrhundert an Stelle einer gotischen Burg. Die Ursprüngliche Burg Borek, wurde vom Geschlecht Kraa vor 1415 erbaut. Der weitere Besitzer, Václav von Moravěves und von Kopisty war ein Katholik und die Burg wurde in den Jahren 1421, 1432 und 1433 von Hussiten erobert und niedergebrannt. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg umgebaut, rot angestrichen und bekam ihren neuen Namen – Červený Hradek (rotes Schlößchen).

[Die erste schriftliche Erwähnung des zur Herrschaft Rothenhaus gehörigen Dorfes Wrskmani erfolgte 1417 in der Landtafel als Zubehör der Stadt Jirkov. Im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts wurde der Ort als Wrskmani, Buczmany, Burczmany und Wurczmes bezeichnet. Bei der Teilung der Herrschaft Rothenhaus gehörte Wurczmes zusammen mit Zaječice ab 1578 (Tod von Christoph von Carlowitz) zum Besitz von Nicolaus Lang von Langenhart. Ihm folgte dessen Sohn Johann Friedrich Lang von Langenhart und danach Kaspar d. Ä. von Bellwitz und Nostitz. 1621 kaufte Ladislaus Julius Kurzbach von Trachenberg und Militsch die Güter in Worczmany. Er verschuldete sich, so dass seine Söhne schließlich Worczmany an die Herrschaft Neundorf-Eisenberg verkauften. In Worczmany befand sich zudem ein Freigut, das immer zur Herrschaft Rothenhaus gehörte und im Laufe der Jahre an verschiedene Besitzer erblich verpachtet wurde. Bedeutendste Pächter des Freigutes war die Familie Herr, die sich stark für das Gemeinwohl des Dorfes engagierte und die Kapelle stiftete. Wurzmes war zu dieser Zeit landwirtschaftlich geprägt, es dominierte dabei der Obst- und Gemüsebau.]

Im Laufe der Zeit bewohnten die Burg mehrere Geschlechte – von Konipas, Ojíř von Očedělice, seit 1472 das Geschlecht Glatz von Starý Dvůr. Der letzte von ihnen, Lorenz Glatz hinterließ die Herrschaft seiner Tochter Anna, verheiratet mit Herrn Šebestián von Veitmille, Herrn von Chomutov. Šebestián war in der Zeit des Schmalkaldskrieges der höchste Feldmarschall von Tschechien. 1547 wurde die Burg für kurze Zeit erobert von den Sachsen, aber Šebestián bekam die Burg zurück. Seine Erben verkauften den Herrenhof an Kryštov von Karlovice (Christoph von Carlowitz * 13. Dezember 1507 auf dem Rittergut Hermsdorf bei Dresden; † 8. Juni 1578 in Rothenhaus, Böhmen; Sächsischer Diplomat, Erbvierritter des Heiligen Römischen Reiches – später Geheimrat bei Kurfürst August – ab 1557 Oberhauptmann in Joachimsthal unter Kaiser Ferdinand I) Kryštov war an dem Herrenhof nicht besonders interessiert, verkaufte ihn schrittweise und behielt für sich nur die Steinmetzhütte und die Schacht. Ab 1576 gehörte die Burg seinem Stiefsohn Augustin Gersdorf von Gersdorf.

Im Jahr 1578 kaufte die Burg und Herrschaft Bohuslav Hasištejnský von Lobkovic (Bohuslav Felix von Lobkowitz und Hassenstein * 13. Januar 1517; † 27. August 1583 in Ličkov
1556–1570 Landvogt der Niederlausitz), Besitzer der Herrschaft Chomutov (Komotau) – 1571 gekauft, mit dessen Schicksal Rothenhaus (Červený Hrádek) nun bis 1605 verbunden war. Sein Sohn (Bohuslav Joachim von Lobkowitz und Hassenstein * 1546, † 1605 Rath und Kreishauptmann des Bunzlauer Kreises [Mit Bohuslaw Joachim ist der Lickover Zweig der Lobkowitz auf Hassenstein erloschen]) tauschte die großen von seinem Vater ererbten Besitzungen gegen eine bedeutende Geldsumme (plus Schloss und Herrschaft Jungbunzlau) nach dem Tod seiner Frau mit seinem Vetter, Jiří Popel von Lobkovic (Georg Popel von Lobkowicz * um 1551; † 28. Mai 1607 in Elbogen). Sie waren harte Katholiken. Mit Hilfe der Jesuiten bestraften sie den Aufstand der Komotauer, viele Rebellen wurden eingespert, zwei von ihnen wurden zum Tode verurteilt und auf der Burg hingerichtet. Den Komotauern wurden sämtliche Privilegia genommen. 1593 wurde Jiří Popel von Lobkovic seines Besitzes enteignet, 1594 wurde Jiří Popel vom Kaise Rudolf II in den Kerker gesezt [Majestätsbeleidigung -> Todesstrafe / Umwandlung in lebenslange Haft.

Im Jahre 1605 kaufte ein Teil der Herrschaft, mit der Burg, mit Jirkov in Blatná und mit 24 Dörfer Adam Hrzán von Harasov. Adam Hrzán von Harasov unterschtützte 1618 den Aufstand der Stände, war nach seinem Tode (1619) für die Unterstützung beschuldigt und seine drei Söhne wurden bestraft und mussten ihres Bauerngut in Lanškroun als Opfer bringen. Im 30-jährigen Kriege wurde die Burg mehrmals belagert, erobert und zweimal niedergebrant. Ende der dreissiger Jahre starb Jan, Erbe des Adam Hrzán. Die Witwe heiratete den Kaiserischen Oberst Morzin, dessen Heer zur Zeit Chomutov belagerte. Červený Hrádek erwarb Axellill von Leffatad in der Hoffnung, die Schweden halten ihren Sieg fest in den Händen. (Die schwedische Königen beschenkte ihre Oberste bei Sieg mit tschechischen Herrenhöfen). Der Krieg nahm in den 40. Jahren aber ein anderes Ende und die Herrenhöfe kehrten zu ihren ursprünglichen Besitzer zurück.

Besitzer des Herrenhofes wurde 1646 Jan Adam, Sohn des Jan Hrzán. Seit 1660 war Jan Adam der tschechische Stadthalter und Reichsgraf und Besitzer einer zerstörter Ruine. Auf den restlichen Burgteilen lies er ein neues Objekt errichten. Der Bau des Schlosses im Stile eines Barockschlosses mit vier Flügeln dauerte 20 Jahre (1655 – 1675). Einer Reihe Indizien nach war der Architekt des Schlosses Antonio della Porta, welcher zur Zeit in Nordböhmen tätig war. Autor der Stuckarbeiten war Jan Spatz aus Prag. Im ersten Geschoss befindet sich der Rittersal, der schönste Raum des Schlosses. Im Rittersal bewundern wir Mythologische Skulpturen und Gemälde mit Schlachtszenen. Wertvoll ist die Verzierung der Kapelle. Von 1766- 1768 erfolgte ein Umbau. Am Bau beteiligt waren J.B.Mathey und Ant. della Porta.

Nach dem Tode von Jan Adam im Februar 1681 besaß das Schloss sein Sohn Ferdinand Maxmilián. Im Jahre 1687 und 1688 wirkte im Schloss der Bildhauer Jan Brokoff. Er erstellte mehrere Skulpturen, 2 Brunnen, Vasen und weitere Werke. Im Außenbereich befindet sich eine doppelläufige Freitreppe von 1796. Die Schloßkapelle ist dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht. Im Červený Hrádek kam zur Welt sein Sohn Ferdinand Maxmilián, einer der berühmtesten Bildhauer der Barockzeit. In den Jahren 1696 – 97 besassen das Schloss drei Söhne Hrzán – Ferdinand Maxmilián, Arnošt Karel und Zikmund Vilém. Im Jahr 1707 kaufte den Herrenhof Ondřej von Lichtenschtein (Johann Adam Andreas Fürst von Liechtenstein * 30. November 1657[1] oder 1662 in Brünn; † 16. Juni 1712 in Wien; Fürst von Liechtenstein, Herzog von Troppau und Jägerndorf, Sitz im Reichsfürstenrat, Mäzen der Künste, Baumeister), nach seinem Tode besaß ihn die Tochter Dominika. Dominika (Marie Dominika von und zu Liechtenstein * 5. August 1698; † 3.Juni1724 in Wees, Schleswig-Holstein) war verheiratet mit Fürst Jindřich (Friedrich) von Auersberg (Heinrich Joseph Fürst von Auersperg * 24. Juni 1697 in Wien; † 9. Februar 1783 ebenda; Herzog von Schlesien-Münsterberg – Oberhofmarschall, bis 1765 Oberstallmeister und Oberkämmerer am Hofe Maria Theresias, enger Freund Kaiser Franz Stephans,  Feldmarschall sowie Obersthofmeister Kaiser Josephs II verheiratet war, an die Fürsten von Auersperg.

Im Jahr 1742, in Zeiten, als die Kaiserin Marie Teresia mit halb Europa den Krieg führte, wurde das Schloss von französischen Dragonern, Sächsischer Besatzung und Reitern aus Bayern besetzt. Die Bayern unterlagen später den Ungarischen Husaren. Im Laufe des Siebenjährigen Krieges besetzten das Schloss die Preussen und nach Ausplünderung des Herrenhofes wurde das Schloss vom Jan Adam von Auersberg um 1766 wiederhergestellt.

Ab 1766 wurde das Schloss vom Erben Jan Adam z Auerspergu (Johann Adam von Auersperg * 27. August 1721 in Wien; † 11. November 1795 ebenda; Fürst, Oberstkämmerer und Erblandmarschall von Tirol) erneut renoviert. Dieser verkaufte die Herrschaft 1771 an Jan Alexandr (Johann Alexander Karl von Rottenhan * 23. April 1710 in Bamberg, Fränkischer Reichskreis; † 19. Juli 1791 ebenda; Eigentümer der Herrschaft Merzbach (Untermerzbach) bei Bamberg, fürstbischöflich Bambergischer Obersthofmeister, Geheimrat und Oberamtmann in Höchstadt an der Aisch. Großgrundbesitzer und Förderer der wirtschaftlichen Entwicklung in Westböhmen, im Jahr 1771 von Kaiser Joseph II. von Habsburg-Lothringen in den Reichsfreiherrnstand und 1774 in den Reichsgrafenstand erhoben. Das gräfliche Haus Rot(t)enhan erlosch 1886 im Namensträgerstamm). Damit beginnt auf Schloss Rothenhaus die Epoche der Freiherrn und Reichsgrafen von Rottenhan. Nach sechs Jahren wurde Besitzer des Herrenhofes sein Sohn Jindřich František (Heinrich Franz von Rottenhan * 3. September 1738 in Bamberg, (Dompfarrei); † 14. Februar 1809 in Wien; Verwaltungsjurist, Förderer der wirtschaftlichen Entwicklung in Westböhmen, Präsident der Obersten Justizstelle und Hofkommissar für Gesetzgebung in Böhmen und Österreich die Herrschaft), der Östereichische Minister und President des Gerichtshofes. Jindřich František war einer der bedeutungsvollsten Männer seiner Zeit. Er gründete eine Reihe von Textilmanufakturen, die Eisenhütte Gabrielahütten (Gabrielina Hut) und eine Holzproduktion in Kálek bei Jirkov. Er lies das Schloss weiter wiederherstellen, die Kapelle wurde angebaut, errichtet wurde die Bibliothek und der englische Garten. Die Baumschule im Orte Blatná war die Erste von dieser Einrichtungen in Östereich. Er förderte mit dem Badearzt Bernhard Adler die Gründung des Kurortes Franzensbad (Frantiskovy Lazne) bei Eger (Cheb).)

Nach dem Tode des Jindřich František von Rottenham 1809 übernahm den Herrenhof seine mit Graf Jiří František August hrabě Buquoy (Georg Franz Graf von Buquoy * 7. September 1781 in Brüssel; † 19. April 1851 in Prag; Mathematiker, Philosoph und Unternehmer in Böhmen) verheiratete Tochter Gabrielle (Marie Gabriela Maria Theresia von Rottenhan * 16. Januar 1784, † 21. März 1863 in Prag). Sie unterstützte Kunst und Literatur, in ihren Diensten wirkte Jan Křtitel Tomášek, ein berühmter Komponist. Sie ließ 1832 die Bezirksstraße von Görkau über Rothenhaus und Göttersdorf nach Kallich erbauen.

Jiří Buquoy war ein hoch gebildeter Mann, er unterstützte die Industrie und Glassproduktion. 1861 zerstörte ein Feuer die Stallungen des Schlosses, mehrere Wohnhäuser sowie die Weberei und die Schule. Im Jahr 1863 übernahm den Herrenhof seine Tochter Maria Anna Caroline Borromea Isabella Pauline Johanna Nepomucena Antonia de Padua, Gräfin von Trautmannsdorf (* 18. Mai 1811; † 15. Mai 1898) ∞ 18. Oktober 1829 Bedřich Josef František Václav Graf Deym ze Střítěže (* 3. Mai 1801; † 23. Januar 1853)), und später ihre Tochter Gabrielle (Gabriela von und zu Trauttmansdorff-Weinsberg *30 September 1840 in Prag; † 29 June 1923 in Rotenhaus), verheiratet mit Prinz Ludvík Hohenlohe-Langenburg (Prinz Ludwig Karl Gustav zu Hohenlohe-Langenburg * 11. Januar 1823 in Graz, Steiermark; † 26. Juli 1866 in Königgrätz, Böhmen; österreichischer Oberst).

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Rothenhaus (Červený Hrádek) ab 1850 eine Gemeinde im Bezirk Komotau.

Ludwig Karl zu Hohenlohe-Langenburg fiel am 26. Juli 1866 im Deutschen Krieg in der Schlacht bei Königgrätz, seinen Besitz übernahm 1892 sein Sohn Gottfried Hohenlohe (Gottfried Prinz zu Hohenlohe-Langenburg *15. Januar1860 in Cegléd, Ungarn; †19. November 1933 in Červený Hrádek, Jirkov, Böhmen, Tschechoslowakei; Besitzer des Hauptteils des Vermögens und der Liegenschaften am Hauptsitz Rothenhaus) und führte weitere Ausgestalltungen des Schlosses durch.

Das Geschlecht Hohenlohe-Langenburg war das letzte Adelsgeschlecht, dem der Herrenhof mit Schloss gehörte. Gottfried hatte 6 Kinder, das Schloss erbte sein Sohn Max Egon (Maximilian Egon zu Hohenlohe-Langenburg * 19. November 1897 in Rothenhaus bei Komotau, Böhmen, Österreich-Ungarn; † 13. August 1968 in Marbella, Malaga, Spanien Europäischer Hochadel, Diplomat). Die Geschwister führten mit seinem Bruder über die Erbschaften in Chomutov und später in Leipzig längere Zeiten erfolglosen Streit. Im August 1938 ermöglichte Max Egon dem Führer der Sudetendeutschen K. Henlein und Lord Runciman ein Gepräch, welches zum Beginn des Münchener Abkommen führte. Das Schloss wurde durch diese Tat unrühmlich in die Geschichte eingeschrieben. Aus diesem Grunde wurde das Schloss 1945 beschlagnahmt und weiterer Streit der Geschwister wurde gegenstandslos.Verheiratet war Prinz Max Egon mit María Piedad de Iturbe, der Tochter eines spanischen Granden. Er war begütert im Sudetenland, in Spanien und in Mexiko. 1922 erwarb er die Staatsbürgerschaft von Liechtenstein, später die spanische. Bekannt wurde sein Sohn Alfonso zu Hohenlohe-Langenburg.